11.12.2006
Ein nicht vorhandener Abgasschlot für die Lobauautobahn

Schlechte Luft für den Nationalpark? Schädigen die Abgasschlote des geplanten Lobau-Autobahntunnels den Nationalpark Donauauen?


Die Stadt Wien brüstet sich seit Monaten in sündteuren Inseraten, dass die Lobauautobahn eine „Öko-Autobahn“ sei, da man sich ja durchgerungen habe, mitten im Nationalpark keinen Abgasschornstein zu errichten. Die Stadt Wien verschweigt dabei, dass direkt am Rand der Lobau nahe Großenzersdorf ein solcher etwa 40 Meter hoher Abgasschlot errichtet werden soll. (Ein zweiter wird voraussichtlich bei Schwechat am Rand des Naturschutzgebiets Mannswörther Au stehen.)
Im Text und auf den schematischen Grafiken in den Inseraten der Wiener Stadtregierung, seit Wochen zehntausendfach in zahllosen Printmedien, wird der geplante etwa 40 Meter hohe Abgasschlot am Rand der Lobau nahe Großenzersdorf komplett verschwiegen - die ASFINAG spricht verschämt von einem „Entlüftungsbauwerk“, was eher nach frischer Luft klingt. Ein zweiter wird möglicherweise bei Schwechat am Rand des Naturschutzgebiets Mannswörther Au stehen.


Abb. 2: Die PR-Experten im Rathaus haben die „Belüftungsbauwerke“ mit rund 40 Meter hohen Abgasschloten neben dem Nationalpark sicherheitshalber verschwiegen

Der Schlot bläst die Abgase aus den beiden etwa 9 Kilometer langen Tunnelröhren weitgehend ungefiltert in die Luft, bei Südwestwind senken sich die Abgase auf Großenzersdorf, bei Nordwestwind auf den Nationalpark Lobau. Eine Filterung ist technisch nicht möglich, bzw. wegen des enormen Aufwandes nicht machbar. Während die konzentrierten heißen Abgase im Auspuff durch einen Katalysator gereinigt werden können, ist dies bei kühler, verdünnter abgasgeschwängerter Luft aus 18 Kilometern Autobahntunnel nicht möglich. Der Abgasturm ist deshalb so hoch, damit die Abgase auf ein möglichst großes Gebiet verteilt werden. Dadurch will die ASFINAG erreichen, dass pro Quadratmeter Nationalpark bzw. Wohngebiet die Schadstoffeinwirkungen möglichst unter den Grenzwerten liegen. Man verteilt also die Tag und Nacht ausgestoßenen Schadstoffe auf ein so großes Gebiet, dass die Gesetze gerade noch eingehalten werden. Und wenn der Verkehr stärker zunimmt als geplant, und die Immissionen höher sind als die Grenzwerte - nun, dann hat die Bevölkerung Pech gehabt.

Studie beweist: Tunnelabgase schädigen die Vegetation

Interessant ist in diesem Zusammenhang eine Studie des Umweltbundesamtes, die beweist, dass Abgasschlote eines Autobahntunnels die umgebende Vegetation (und anzunehmenderweise auch die dort lebende Bevölkerung) schädigen. Die Studie nennt sich „Nitrophenole, halogenierte Kohlenwasserstoffe und enzymatische Reaktionen in Fichtennadeln emittentennaher Standorte Österreichs“ (UBA Monographien, Band 151).

Die Studie berichtet unter anderem, dass in der unberührten Natur einer Alm in 1900 Metern Höhe in den Pflanzen hohe Giftkonzentrationen gefunden wurden, und zwar in ähnlich hohen Konzentrationen wie bei Pflanzen neben der Südosttangente in Wien. Die Ursache ist ein nahegelegener Abgasschlot des Tauernautobahntunnels, der hier die Tunnelabgase in die reine Bergluft hinausbläst.

Bei den Giften handelt es sich um sogenannte Nitrophenole, die unter anderem von Kraftfahrzeugen ausgestoßen werden. Einige Substanzen aus dieser Gruppe wurden wegen ihrer Giftwirkung bis in die 80er Jahre auch als Unkrautvertilgungsmittel, Pilzvertilgungsmittel und Insektizid verwendet. Eine weitere UBA-Studie zeigte, dass die Ausbreitung von Nitrophenolen und anderen Giften viel größere Gebiete rund um Abgasquellen schädigt, als bisher angenommen.

Zwar spielen andere Schadstoffe im KFZ-Verkehr eine größere Rolle als Nitrophenole, etwa die Stickoxide (welche die Bildung von bodennahem Ozon fördern) und der lungen-schädigende Feinstaub. Doch die Umweltbundesamt-Monographie 151 beweist anhand der Nitrophenole, dass rund um Abgasschlote von Autobahntunnels Gifte ausgestoßen werden, die sowohl Pflanzen, als auch Menschen schädigen.

Wenn nun der Biologe und Bürgermeister Michael Häupl und seine Umweltstadträtin Ulli Sima, ebenfalls Biologin, in Inseraten den Lobautunnel als eine Umweltschutz-Autobahn bezeichnen, müssen wir uns schon darüber wundern. Und wenn ( absichtlich oder aus Unwissenheit?) in den schematischen Abbildungen die monströsen Abgas-Schlote zwischen Wohnsiedlung und Nationalpark verschwiegen werden, könnte sich das bei der nächsten Wahl rächen. Denn ungefähr zu diesem Zeitpunkt wäre Baubeginn für die beiden 40 Meter hohen Abgasschlote, falls es der Bevölkerung nicht inzwischen gelingt, das Projekt zu stoppen. Und die Menschen würden sich wohl ziemlich verarscht vorkommen, wenn vor ihren Häusern plötzlich ein riesiger Schlot steht, den es laut Inserat eigentlich gar nicht geben dürfte.


Abb. 3: „Tunnelabgase im Einklang mit der Natur“: Gehirnwäsche-Werbung von SPÖ Wien und ASFINAG