16. 01. 2007
Wo bleibt die Bahn rund um Wien?
Der Ausbau der Schiene in Ostösterreich wird verschlafen. Stattdessen wird ein halbes Dutzend neuer Autobahnen gebaut.
Während rund um Wien sieben neue
Autobahntrassen in Planung sind, gibt es im Schienennetz gravierende
Mängel. Diese sollten dringend behoben werden, wenn nicht noch
mehr Personen- und Güterverkehr auf die Straße abwandern
soll.
Die Nordstrecke nach Bratislava über
Marchegg: eingleisig und ohne Strom!
1989 fiel der
eiserne Vorhang, Ende der 90er Jahre zeichnete sich ab, dass die
Slowakei zur EU kommen wird. Eine gewaltige Großbaustelle
zwischen Bruck an der Leitha und der Staatsgrenze lässt
erkennen, dass dort derzeit eine Autobahn nach Bratislava (A6, Spange
Kittsee) gebaut wird. Bei der Bahn tut sich dagegen fast nichts. Je
nach Verkehrsminister gab es bei diversen Generalverkehrsplänen
abwechselnd unterschiedliche Prioritäten, oftmals wurden
Projekte verschoben, um Geldmittel für zweifelhafte, politisch
durchgesetzte Großprojekte freizumachen (z.B. Koralmbahn für
Jörg Haider).
Beispiel Nordstrecke nach Bratislava: Ab
Stadlau ist die Strecke nach Bratislava eingleisig, bei der
Hausfeldstrasse (Donaustadt) endet auch die Oberleitung, sodass nur
mehr Dieselloks fahren können. Ein Ausbau dieser Strecke auf
zwei Gleise (zumindest abschnittweise für Gegenzüge)
inklusive Elektrifizierung ist dringend nötig. Die Strecke über
Marchegg hat den enormen Vorteil, dass sie direkt zum Hauptbahnhof
von Bratislava führt, also dicht ans Zentrum, während die
Strecke über Bruck an der Leitha und Kittsee in einem
abgelegenen Vorort (Petrzalka) endet. Baubeginn war lange Zeit erst
für 2014 oder 2020 projektiert (je nach Verkehrsminister),
dürfte wohl nun schon wesentlich früher stattfinden, je
nach Finanzierung.
Fazit: Der Marchegger Ast muss schnellstens elektrifiziert und auf zwei Gleise ausgebaut werden, da sonst der ansteigende Güterverkehr auf einer von Erwin Pröll geforderten Marchfeldautobahn S8 landet, die sich Pröll zwischen Lobauautobahn und der Slowakei wünscht. 17 Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs gibt es noch nicht einmal ein Einreichprojekt für die Bahnlinie am Marchegger Ast, geschweige denn ein Behördenverfahren dazu.

Abb.
1: So sehen Hauptstrecken der ÖBB nach Osteuropa aus: Links die
Strecke Wien-Bratislava (bei Marchegg), keine Oberleitung,
eingleisige Strecke.
Fertigstellung des Streckenausbaues derzeit ca. für das Jahr 2020 geplant. Die Autobahn (Spange Kittsee) hingegen wurde 2007 eröffnet.
(rechts die Strecke
Marchegg-Gänserndorf)
Donauquerung Stadlauer
Brücke: zwei Gleise fehlen!
Als die Stadt Wien in
den frühen 90er Jahren erstmals plante, das Flugfeld Aspern zu
verbauen, gab es noch kein Projekt einer U2 nach Aspern. Damals
wollte man die Schnellbahn S80 (Südbahnhof - Hausfeldstrasse)
bis zum Flugfeld verlängern und etwa alle 5 bis 10 Minuten
fahren lassen (derzeit fährt sie alle 30 Minuten). Die
Donauquerung über die Stadlauer Brücke (Ostbahnbrücke)
sollte von zwei auf vier Gleise ausgebaut werden, zwei Gleise für
den Regionalverkehr, zwei Gleise für den Fernverkehr. Bei der
Hebung der Ostbahnbrücke (durch das Kraftwerk Freudenau stieg
der Spiegel der Donau) wurde im Prater bereits ein breiter Damm für
vier Gleise angelegt, der heute noch gut sichtbar ist. Als das
Projekt U2-Aspern entstand, landete das Projekt der 4-gleisigen
Donauquerung im Papierkorb.
Inzwischen nahm der Bahnverkehr
in diesem Bereich zu, es gibt stündlich einen Zug von und nach
Bratislava sowie viele Güterzüge aus dem Osten, und es gibt
halbstündlich eine neue Schnellbahnlinie S8 vom Südbahnhof
über Simmering und Stadlau nach Leopoldau und Floridsdorf. Die
Schnellbahnlinie S80 wurde jedoch Ende 2005 von 3 Zügen pro
Stunde auf 2 Züge pro Stunde reduziert: Eine innerstädtische
Bahnachse, die parallel zur Praterbrücke verläuft, mit zwei
Zügen in der Hauptverkehrszeit!!! Grund ist die Überlastung
der Donauquerung. Wie ÖBB-Vertreter (inoffiziell) mitteilten,
bräuchte man dringend die 4-gleisige Donauquerung, da auf zwei
Gleisen nicht genug Platz für Regionalverkehr und Fernverkehr
existiert.
Fazit: Eine
4-gleisige Donauquerung zwischen Simmering und Stadlau ist dringend
notwendig. Da Planung und Behördenverfahren aufwändig sind,
sollte der Beschluss dazu möglichst bald erfolgen, da dieses
Nadelöhr sonst noch lange den Bahnverkehr nach Osten und den
innerstädtischen Schnellbahnverkehr behindert. Hätte schon
in den 90er Jahren gebaut werden müssen.
Verknüpfung
S-Bahn S80 Richtung Liesing
Auch die ÖBB weiß
seit Jahren, dass eine Weiterführung der S80 aus der Donaustadt
Richtung Liesing dringend nötig ist. Bisher enden die Züge
blind am Südbahnhof, die U1 ist weit entfernt. Der Bau einer
Schleife für die S80 zur Einbindung in die Stammstrecke (über
Südtirolerplatz U1 und Meidling U6 nach Liesing) wurde jahrelang
hinausgezögert, da man auf den Zentralbahnhof warten wollte.
Nach Eröffnung des Zentralbahnhofs (etwa 2011?) wird die S80 nun
endlich nach Westen weiterfahren können (nach Liesing, oder über
Speising zur S45 Vorortelinie).
Fazit: Hätte
längst passieren müssen. Sehr viel Zeit ist schon verloren
gegangen.
Elektrifizierung
Gänserndorf-Marchegg
Als rasch durchführbare
Zwischenlösung wurde zuweilen vorgeschlagen, die eingleisige
Strecke von Gänserndorf (Hauptast Nordbahn) über Marchegg
in die Slowakei zu elektrifizieren, da diese Strecke kürzer ist
und alles billiger und schneller geht. Es wird sich zeigen, welche
Prioritätenreihung die neue Regierung setzt, die Verbindung
Gänserndorf-Marchegg darf jedoch keinesfalls ein Ersatz für
die Verbindung Wien/Stadlau-Marchegg-Bratislava
sein.
Schnellbahnlinie S80: Ein Beispiel, wie eine
Schnellbahnlinie kaputt gemacht wird
Eine
innerstädtische Schnellbahnverbindung ins Zentrum kann die
parallelen Autobahnen nur dann entlasten, wenn sie attraktiv
gestaltet ist. Statt einem 10-Minuten-Intervall gibt es hier zwei
Züge pro Stunde, was teilweise am Nadelöhr der Stadlauer
Brücke liegt, teilweise an der Argumentation der ÖBB, dass
zuwenig Fahrgäste mit dieser Linie fahren wollen - hier beisst
sich die Katze in den Schwanz, die Strecke ist unattraktiv, wenig
Leute fahren, daher besteht angeblich kein Bedarf, die Strecke bleibt
unattraktiv.
Fazit:
Nötig ist 1. ein attraktives Intervall, 10 bis 15
Minuten, oder häufiger. 2. Eine Verlängerung über den
Zentralbahnhof Richtung Westen (ist geplant). 3. Eine 4-gleisige
Ostbahnbrücke (ist derzeit nicht geplant). 4. eventuell eine
Umsteigestation zur S7-Flughafenschnellbahn (wurde angedacht, ist
derzeit aber nicht geplant) 5. Attraktive Haltestellen mit Warteraum,
Sitzgelegenheiten, vor allem bei längerer Wartezeit, 6. gute
Verknüpfung mit Bus, Tram und U-Bahn, 7. Verknüpfung der
S80 mit der S45 beim Praterkai (angedacht, aber keine Finanzmittel)
8. Die U2 ist kein Ersatz für die S80, da die U2 in den Norden
des Stadtzentrums fährt, die S80 jedoch zukünftig in den
Süden der Stadt, 8. Die Station Lobau darf im Jahr 2011 nicht
aufgelassen werden*.
*)Tatsächlich teilte mir eine
hochrangige Person im Planungsbereich der ÖBB inoffiziell mit,
es sei sozusagen schon ziemlich fix, dass die Schnellbahnhaltestelle
Lobau aufgelassen wird, sobald die U2 nach Aspern fährt (2011).
Für Personen aus dem Süden Wiens verschlechtert sich damit
die Erreichbarkeit von Neuer Donau und Lobau massiv, ebenso sind
zahlreiche Anrainer betroffen.
Grenzübergang
Laa/Thaya - Hevlin: Das Gleis fehlt!
Der wichtigste
Schienenstrang von Wien nach Norden führt über Hohenau nach
Brünn. Eine eingleisige Strecke führt jedoch auch über
Wolkersdorf, Mistelbach und Laa nach Nikolsburg (Mikulov). (Früher
war diese Strecke übrigens zweigleisig, wie an zahlreichen viel
zu breiten Brücken noch heute deutlich sichtbar ist. Nach dem
zweiten Weltkrieg wurde das zweite Gleis weggerissen, da dort
„hinten“ ohnedies „nur“ der Eiserne Vorhang
lag. Die Brücke über die Thaya wurde im Krieg zerstört.
Der Teil von Wien nach Mistelbach wurde schon in den 80er Jahren
elektrifiziert, ein stündlicher Schnellbahntakt wurde
eingerichtet und führte zu einem dramatischen, höchst
erfreulichen Anstieg der Fahrgastzahlen. Noch heute fahren auf dieser
Nordstrecke prozentmäßig mehr Pendler mit der Bahn als auf
vielen anderen Pendlerrouten. Ein Bahnplaner sagte mir inoffiziell,
sobald die Nordautobahn eröffnet wird, werden die Fahrgastzahlen
auf dieser Strecke wieder massiv einbrechen.
Im Dezember 2006
wurde endlich, mit etwa zehn Jahren Verspätung, die
Elektrifizierung bis Laa fertiggestellt. Die im Krieg zerstörte
Verbindung von Laa nach Hevlin (Tschechien) ist jedoch auch heute, 17
Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs, noch immer unterbrochen.
Dabei fehlen nur wenige hundert Meter Gleis und eine Brücke.
Immerhin gibt es vage Pläne zur Verbindung der Gleise, was für
den regionalen Verkehr nach Nikolsburg und für den Güterverkehr
auf der Schiene sinnvoll wäre.
Während die
Bahnplaner im Tiefschlaf liegen oder auf die
Hochgeschwindigkeits-Hauptstrecken fokussiert sind, plant die ASFINAG
emsig an der unweit gelegenen Autobahntrasse über Drasenhofen
nach Tschechien.
Fazit:
Auch wenn die Schienen-Verbindung Laa-Hevlin nur regionale
Bedeutung hat, ist dieser Lückenschluss unbedingt nötig und
sollte schnellstens errichtet werden.

Abb.
2: Auf manchen Hauptstrecken hat die ÖBB früher sogar das
zweite Gleis entfernt, um Kosten zu sparen.
Hier die Strecke Wien-Gmünd-Prag nahe Limberg-Maissau im Waldviertel
Seitenlinie nach Poysdorf:
kürzlich wurde das Gleis weggerissen!
Poysdorf
liegt an der Brünner Strasse, tausende Pendler stauen sich
täglich quer durch die Stadt. Vor mehr als 10 Jahren hat sich
Poysdorf gegen eine Umfahrung ausgesprochen, wie mir der Poysdorfer
Bürgermeister kürzlich mitteilte. Nun schwärmt er von
der Autobahn, die von Tschechien quer durchs Weinviertel nach Wien
gebaut werden solle. Einst hatte Poysdorf auch einen Bahnanschluss.
Nur etwa 10 Kilometer entfernt verläuft die Strecke Wien-Laa,
die seit Dezember 2006 einen Schnellbahntakt besitzt. Ein 10
Kilometer langer Schienenstrang von Poysdorf hin zu dieser
Schnellbahn existierte bis vor kurzem, jedoch fuhren schon seit den
60er Jahren dort keine Züge mehr. Triebwagenzubringer von
Poysdorf zur Schnellbahn könnten verhindern, dass fast alle
Pendler künftig das Auto benützen. Denn wer einmal im Auto
sitzt, fährt nicht zur Schnellbahn, sondern auf der Autobahn
nach Wien. Übrigens hat die ÖBB 2003 das Gleis nach
Poysdorf beseitigen lassen, der einstige Umsteigebahnsteig in der
Station Enzersdorf bei Staatz, wo früher die Züge nach
Poysdorf abfuhren, wurde 2003 beim Umbau der Schnellbahnlinie
weggerissen.
Fazit: Es gibt laut ÖBB-Planern
wichtigere Projekte als dieser Seitenast - das mag stimmen. Die Bahn
darf sich jedoch nicht nur auf Hauptstrecken konzentrieren, sondern
muss wieder die Fläche gewinnen. Ein Zubringer nach Poysdorf
wäre ein Signal in diese Richtung. (Chancen auf Umsetzung:
minimal.)
Ein Beispiel für die Zerstörung von
Nebenbahnen: Sinnloses Umsteigen in Obersdorf: Viel Aufwand und wenig
Wirkung
Einst fuhren nur drei Züge pro Tag auf
der Strecke zwischen Wien-Stammersdorf und Groß-Schweinbarth im
Weinviertel. 1988 wurde der innerste Streckenteil stillgelegt, eine
Umsteigestation zur Schnellbahn in Obersdorf-Pillichsdorf errichtet,
und ein Stundentakt eingerichtet. Nachmittags fahren die Züge
sogar alle halben Stunden. Das Projekt war ein unglaublicher Erfolg,
die Treibwagen waren oft voll besetzt.
2005 wurde die
Schnellbahnstrecke (Wien-Wolkersdorf) mit aufwändigen
Bauarbeiten auf zwei Gleise ausgebaut, was einen Neubau der
Umsteigestation nötig machte. Naheliegend wäre nun die
Errichtung eines Gleisbogens gewesen, der die Nebenstrecke in die
Hauptlinie einmünden lässt. Die Dieseltriebwagen aus dem
Weinviertel hätten die Pendler dann gleich direkt über
Gerasdorf nach Leopoldau und Floridsdorf zur U1 und U6 bringen
können. Kapazitätsmäßig hätte die Strecke
die zusätzlichen Fahrten problemlos vertragen. Stattdessen wurde
in Obersdorf eine pompöse neue Umsteige-Station aus Glas und
Metall mit einem Aufzug hingebaut, wo die Menschen nun wie bisher
einen weiten Weg gehen und wie bisher Umsteigen müssen. Ein
riesiger Parkplatz wurde errichtet, der die Leute einlädt, mit
dem Auto gleich direkt aus dem Weinviertel zur Schnellbahn zu fahren
und die Nebenlinie zu ignorieren. Und wenn dann erst einmal ganz in
der Nähe der Autobahnring um Wien samt Nordautobahn gebaut wird,
fahren die Pendler mit ihrem PKW wohl gleich weiter in die Stadt.
Eine ÖBB, die sich wie eine Privatfirma verhalten soll (so
lautet ja der politische Auftrag), sucht immer die billigste Lösung.
Diese billigste Lösung (hier eine neue Umsteigestation) ist
jedoch oft verkehrspolitischer Schwachsinn. Oft sind es
Kleinigkeiten, die darüber entscheiden, ob eine Bahnlinie als
attraktiv empfunden wird oder nicht.
Fazit:
Anstatt Nebenbahnen stillzulegen, ist es notwendig, diese attraktiv
zu organisieren. Gewinne aus den Hauptstrecken müssen durch
Querfinanzierung dazu verwendet werden, auch jene Nebenstrecken zu
erhalten, die keinen Gewinn machen, jedoch aus verkehrspolitischen
Gründen Sinn machen.
Einstellung von Nebenbahnen:
Die ÖBB sparen, die Fahrgäste zahlen drauf
Oft
argumentieren die ÖBB, dass sich die Fahrgäste ja angeblich
freuen, wenn Nebenbahnen durch eine Buslinie ersetzt werden. Es
stimmt zwar, dass manche Bahnhaltestellen außerhalb des Ortes
liegen, während ein Bus direkt im Zentrum hält.
Gleichzeitig bedeutet ein Bus aber auch gravierende
Komfort-Verschlechterungen:
Busse haben meist eine längere Fahrzeit als Züge.
Beim Warten auf den Bus stehen die Fahrgäste im Freien. (kein
Bahnhofsgebäude, kein Warteraum)
Für viele Fahrgäste verteuert sich die Fahrt auf das
Doppelte! (Im Bus gilt keine Vorteilscard)
Im Bus gibt es kein WC.
Sicher bringen vielen Nebenstrecken
keinen Gewinn. Aber Museen, Spitäler und Schwimmbäder
werden auch nicht gleich zugesperrt, wenn sie nicht gewinnbringend
sind. Im übrigen sind viele Kostenberechnung der ÖBB
(absichtlich?) falsch, da beispielsweise prozentuelle Bahnhofskosten
von Umsteigebahnhöfen willkürlich mit einbezogen werden,
was eigentlich unzulässig ist (Beispiel Mürzzuschlag,
Strecke nach Neuberg).
Fazit: Nebenbahnen sind
nicht wie eine Privatfirma zu betrachten, die bei mangelnder
Gewinnerwirtschaftung einfach zugesperrt wird. Vielmehr sind sie ein
Stück Infrastruktur und können dazu dienen, Verkehr von der
Straße auf die Schiene zu verlagern. Außerdem sind
Strecken wie jene in der Wachau (die von der ÖBB kürzlich
teilweise inoffiziell stillgelegt wurde*) ein Stück Kulturgut,
das nicht nur am erwirtschafteten Profit gemessen werden darf.
(*
Südlich von Spitz verkehren im Sommer täglich zwei
Alibizüge, um offiziell beim Ministerium keine Streckensperre
anmelden zu müssen. Im Winter fährt nichts mehr. Wegen
angeblicher Steinschlaggefahr wurden auch die Alibizüge 2006
teilweise auf Bus umgestellt.)
Südlich der Donau: Endlose
Verzögerungen beim Schienenausbau
Beispiel
Pottendorferlinie:
Zweigleisiger Ausbau der eingleisigen
Strecke war schon vor Jahren geplant, da sie als Entlastung der
parallel laufenden Südbahn wichtig wäre. Im Kursbuch 2005
wurde ausdrücklich geschrieben, der Personenverkehr auf der
Seitenlinie Gramatneusiedl-Wampersdorf werde ab sofort bis 2008 auf
Busverkehr umgestellt, da das Gleis für den Materialtransport
beim zweigleisigen Ausbau der Pottendorfer Linie benötigt werde.
Tatsächlich wurde auf der Pottendorfer Linie auf
niederösterreichischem Gebiet seither kein einziger Bauarbeiter
gesehen. Neueste Meldung ist, es gäbe kein Geld, der Ausbau sei
aufs nächste Jahrzehnt verschoben worden.
Beispiel
Frachtterminal Inzersdorf:
Wo die Pottendorfer Linie die
neue Autobahn S1-Südumfahrung kreuzt, sollte eigentlich ein
Frachtterminal entstehen, um Güter zwischen Straße und
Schiene zu verladen. Wurde groß als „Umweltmaßnahme“
angekündigt, um die Schiene zu fördern. Bis jetzt ist außer
einigen Projektzeichnungen nichts geschehen.
Beispiel
Spange Götzendorf:
Ist eine Verbindung vom Flughafen
Wien-Schwechat nach Bruck an der Leitha, wodurch die Fernzüge
zukünftig vom Zentralbahnhof über den Wiener Flughafen bis
Bratislava und zum dortigen Flughafen weiterfahren können.
Neueste Meldung: Es fehlt das Geld.
(Diese Verbindung wurde
übrigens von diversen NGOs und Bürgerinitiativen immer
wieder gefordert, auch schon vor Jahren- ein Beispiel:
Pressekonferenz anläßlich 20 Jahre Hainburg / Aubesetzung
im Dezember 2004, bei der darauf hingewiesen wurde, dass seit 20
Jahren bessere öffentliche Verkehrsverbidungen für die
Donauregion östlich von Wien gewünscht werden!! )
Diverse
Kleinigkeiten - leider oft Schikanen für Fahrgäste?
Kurz
soll auch auf die vielen Schikanen hingewiesen werden, deren
Beseitigung das Bahnfahren wesentlich attraktiver machen würde.
Einige Beispiele:
Mittelbahnsteige: In vielen Bahnhöfen halten die Züge an
Mittelbahnsteigen, die nur über steile Stiegen erreichbar sind,
meist ohne Rampen für Kinderwagen und Rollstühle (auch in
großen Bahnhöfen wie Korneuburg, Stockerau, Gänserndorf).
Das Gleis neben dem Bahnhofsgebäude („Hausbahnsteig“),
wo ein barrierefreier Zugang besteht, wird nicht verwendet.

Abb.
3: Tiefe Unterführungen ohne Rampen sind für
Rollstuhlfahrer und Kinderwägen kaum erreichbar.
Oft wird der stufenlos erreichbare
Hausbahnsteig von Zügen nicht benützt.
In unbesetzten Bahnhöfen nimmt Vandalismus zu, die ÖBB
versperren als Reaktion WCs und Wartesäle. Beispiel
Umsteigebahnhof Leobersdorf an der Südbahn: Von Freitag Mittag
bis Montag früh sind alle Bahnhofs-Klos versperrt, es gibt auch
kein Gasthaus mehr in der Nähe, man muss sich ein Gebüsch
suchen. Der Wartesaal ist Tag und Nacht versperrt, mit dem Argument,
wenn er versperrt ist, kann er durch Vandalen nicht beschädigt
werden. (Benützt werden allerdings auch nicht, die Leute müssen
im Stiegenaufgang oder am Bahnsteig stehen.)
In den neuerrichteten Bahnhöfen (z.B. Baden, Wien
Nord/Praterstern) werden überall nicht Holz- oder
Kunststoffsitze errichtet, sondern solche aus Metall, die in der
kalten Jahreszeit eiskalt und daher unbenützbar sind.
Fahrkartenkauf im Zug ist auf vielen Strecken nicht mehr möglich.
Statt drei Euro Zuschlag beim Fahrkartenkauf im Zug wird jetzt auf
den sogenannten „Selbstbedienungsstrecken“ ein „Zuschlag“
von etwa 70 Euro eingehoben. Ziel ist das Wegrationalisieren der
Schaffner im Zug. Wer dann im unbesetzten Bahnhof beim Automaten
keine Fahrkarte gekauft hat (weil er sich nicht auskennt oder knapp
zum Bahnhof kam), wird bestraft.
Was braucht die
Bahn??
Fazit: Eine attraktive Bahn braucht:
Rampen auf Treppen in Unterführungen,
vermehrte Nutzung der Hausbahnsteige, die ohne Unterführung
erreichbar sind,
geheizte, unversperrte Warteräume
offene WC-Anlagen
Sitze aus einem Material, das nicht im Winter eiskalt und im
Hochsommer glühend heiss ist
Die Möglichkeit, im Zug Fahrkarten zu kaufen, wenn man keine
Zeit mehr für den Ticketkauf am Bahnhof hat
Ausreichend Personal im Zug und auf den Bahnhöfen