
14.6.2007
Bednarpark Teil 2
Mangelhafte Ausschreibung der Stadt Wien: Die
Hager Landschaftsarchitektur AG, die den Park plante, wusste nichts
von den seltenen Pflanzenarten
Es ist schon
seltsam: Das Schweizer Siegerprojekt zur Gestaltung des Bednar-Parks
erwähnt die wertvollen Trockenbiotope am Parkgelände
überhaupt nicht. Man fragt sich da natürlich, ob die
Schweizer Landschaftsarchitekten (was für ein merkwürdiges
Wort eigentlich...) denn auf deren Erhaltung keinen Wert gelegt
haben. Tatsächlich aber wissen sie überhaupt nichts von
deren Existenz! Das Versagen liegt nicht bei den Züricher
Parkplanern, sondern im Bereich der Stadt Wien, die den Wettbewerb
ausgeschrieben hat. In der Ausschreibung werden die seltenen Arten
überhaupt nicht erwähnt, in den 46-seitigen
Ausschreibungsbedingungen gibt es auf Seite 34 kurze acht Zeilen zum
Thema „Vegetationsausstattung“, wobei dort lapidar steht:
„Im Bereich des geplanten Parks finden sich jedoch keine zu
erhaltenden Wertstrukturen aus naturräumlicher Sicht.“
Aha. Igelsame, Steinfingerkraut, Grauer Schöterich, lauter
seltene Pflanzenarten, stark gefährdet, die hier, mitten in der
Stadt, noch ein Refugium haben. Und dann schreibt die Stadt Wien, die
Magistratsabteilung 21A, es gäbe auf dem Areal „keine zu
erhaltenden Wertstrukturen aus naturräumlicher Sicht“!?
Abgesehen von den Wortkünstlern, die solche Sätze bauen.
Sie könnten ja gleich schreiben: „Da wachst nix, was
irgendwie einen Wert hat.“ Dann würde man gleich sehen,
wie wenig sie von dem Gelände wissen.

Experten
und interessierte Gäste beobachten die Laichschnüre der
streng geschützten Wechselkröte

Universitätsprofessor
Dr. Manfred Fischer, Experte für seltene Pflanzenarten, bei
einer Begehung des Areals vor seiner Zerstörung.

Die
Biologin Dr. Ingeborg Schinninger (links) schrieb ihre Dissertation
über die Besonderheiten der Vegetation dieses Areals am
Nordbahnhofgelände. Der international angesehene Pflanzenexperte
Wolfgang Adler (rechts) staunt bei einer Exkursion auf dem Areal
(Frühjahr 2006) über die vielen interessanten Arten.
Der
Park wird vom Schweizer Büro „Hager Landschaftsarchitektur
AG“ aus Zürich geplant, das im Mai 2006 von einer Jury
unter Vorsitz des Schweizer Landschaftsarchitekten Günther Vogt
zum Sieger erklärt worden war. Bei telefonischer Nachfrage wurde
mir gesagt, das Parkkonzept werde derzeit vom Sachbearbeiter Gregor
Fürniss bearbeitet. Als ich mit diesem verbunden wurde, schien
er von eventuell erhaltenswerten Biotopen überhaupt nichts zu
wissen. Freundlich erklärte er mir, er werde sich erkundigen, ob
diese beim Wettbewerb eine Rolle gespielt hätten. Einige Stunden
später bekam ich per mail die Wettbewerbsbedingungen („keine
zu erhaltenden Wertstrukturen“), mit der Bitte, mich in
Detailfragen nicht an die Schweizer, sondern an den Pressesprecher
vom Wiener Stadtgartenamt zu wenden. Das an mich gerichtete Schweizer
e-mail ging als Kopie an Frau Margit Grassinger von der
Planungsabteilung des Stadtgartenamts und drei weitere Mitarbeiter
der MA 42. Viel Mailverkehr angesichts der traurigen Tatsache, dass
die Schweizer Planer über das Areal nur unzureichend Bescheid
wissen.

Landschaftsarchitekt
Gregor Fürniss weiss nichts von den schützenswerten
Pflanzenarten (Foto: Hager Landschaftsarchitektur AG)
Formulierungsarchitekten
Meine Recherche hatte ja schon früher
begonnen. Neugierig hatte ich im Internet der Stadt Wien gestöbert,
was aus den Trockenbiotopen des Areals werden würde. Auf den
Internetseiten des Stadtgartenamts liest man von einem transparenten
Kubus, den der Schweizer Landschaftsarchitekt Guido Hager in den Park
stellen wird, und in dem man Kaffee trinken kann, weiters von
formbeschnittenen Blütensträuchern, die in der Rasenfläche
eingelagert sind, und von einer mittels wassergebundener Decke
befestigten Zone, was auch immer das genau sein wird. Von einem
Trockenbiotop steht nichts dort.

Landschaftsarchitekt
Guido Hager plant den transparenten Kubus inmitten der
„Bewegungsräume für männliche und weibliche
Jugendliche“ (Foto: Hager Landschaftsarchitektur AG)
Auf
den Internetseiten der Stadt Wien, Bezirk Leopoldstadt, ist mehr zu
lesen: Unter „eindrucksvolle Gestaltungsmerkmale“ erfährt
der staunende Leser: „Wesentliches Charaktermerkmal des
Konzepts ist der zusammenhängende Baumschleier. Dieser verankert
den Park als räumlich eigenständigen Ort im künftigen
Stadtquartier. Die Ausrichtung des Baumschleiers orientiert sich an
übergeordneten räumlichen Bezügen - Donau und
Nordbahnhofareal - und gewährleistet somit eine Kontinuität
im städtischen Muster.“
Aha, ein räumlich
eigenständiger Ort. Damit man bemerkt, dass es ein Park ist,
oder? Außer Kubus und wassergebundener Decke werden noch orange
angemalte Kinderspielgeräte genannt. Kein Wort von
Trockenbiotopen.
Auf den Seiten der „Stadtentwicklung“
wird sogar drauf hingewiesen, dass „bei der Planung des Parks
die Prinzipien des Gender Mainstreaming berücksichtigt werden -
differenziert nach Lebensphasen, kulturellem und sozialem
Hintergrund.“ Also ein Park für Junge und Alte, Frauen und
Männer. Gut so. Auch sollen „verhaltensschwächere
Gruppen wie Mädchen und jüngere Burschen“ besonders
berücksichtigt werden. Ist ja auch gut. Außerdem weiß
ich jetzt endlich, was verhaltensschwächere Gruppen sind. Und
der Sprachkünstler aus dem Rathaus hat sich noch weiter
ausgetobt: „Bewegungsräume: Es sollen vielfältige
Bewegungsräume für weibliche und männliche Jugendliche
geschaffen werden. Auch für Kinder ist dieser Aspekt mit zu
bedenken.“ Aha!?

Weiters steht da noch: „Die
Gestaltung des Parkes soll auf die stadträumliche Lage, die
angrenzenden Quartiere, die Geschichte des Ortes und das
soziokulturelle Umfeld reagieren.“ Angrenzend ist übrigens
das Stuwerviertel, berühmt durch den Hausfrauenstrich und die
darüber erbosten Anrainer. In der Parkbeschreibung steht
anschließend unter der Überschrift „Sinnliche
Erlebnisqualitäten“: Der zukünftige Rudolf-Bednar
Park solle sich auch durch "sinnliche Erlebnisqualitäten"
auszeichnen. Mit dem Stuwerviertel hat das aber wahrscheinlich nichts
zu tun.
Nein, hier soll die bemühte Planungsarbeit der
Stadt Wien und der Schweizer Architekten nicht lächerlich
gemacht werden. Gemeint ist mit dem Text ja wirklich ein Park, der
die Menschen glücklich machen soll. Nur fehlt es den Planern an
Verständnis für naturnahe Biotope - auch wenn die ruderalen
„Gstetten“ im Grunde ebenso durch einstigen menschlichen
Einfluss geprägt sind wie die aufgelassenen Weingärten der
Wachau oder die Heidelandschaft bei Perchtoldsdorf.

Morgen
im Teil 3: Soll eine alte Kirche abgerissen werden, wenn in der Nähe
eine zweite Kirche steht?