19.6.2007 Bednarpark Teil 4

Die Stellungnahme von SR Bruno Domany von der MA22 Umwelt


Wie in den drei vorangegangenen Teilen berichtet wurde, lässt die Stadt Wien derzeit Standorte sehr seltener Pflanzen am Nordbahnhofgelände wegbaggern, um Häuser und einen sehr konventionellen Park mit Gänseblümchenrasen anzulegen

Inzwischen ist die gemeinsame Stellungnahme der Magistratsabteilung 22 (Umwelt) und MA 42 (Stadtgartenamt) eingetroffen. Darin führt Senatsrat Bruno Domany zunächst allgemeine Informationen über die Bebauung des Nordbahnhofgeländes an.

Es heißt da:

Für die Gestaltung des Bednar Parks wurde ein internationaler Wettbewerb ausgeschrieben. Für die Erstellung der Ausschreibungsunterlagen wurden mehrere Gesprächsrunden mit allen betroffenen Dienststellen abgehalten.
Zu Ihren Fragen kann ich Ihnen versichern, dass die MA 22 Aspekte der landschaftlichen Einordnung des Parks (pannonische Ebene, Rasterstadt, Stadtkante, Topographie des ehemaligen Frachtenbahnhofs), Lage im Großlandschaftsraum, Geschichte des Standortes etc. in den Vorbereitungsworkshops zur Wettbewerbsauschreibung eingebracht hat. Es war uns ein großes Anliegen, dass die Charakteristik des Bahnhofs bzw. der Bezug zur Donaulandschaft hergestellt werden. Selbstverständlich wurden auch die vorhandenen Pflanzen- und Tierarten begutachtet und festgestellt, dass auf dem Areal keine geschützten Arten nach dem Wiener Naturschutzgesetz vorkommen.“

Keine Arten nach dem Wiener Naturschutzgesetz??


Quercus frainetto, die „Ungarische Eiche“, Foto vom Nordbahnhofgelände aus dem Jahr 2006. In Österreich wild bisher nur am Nordbahnhofgelände vorkommend (!), sonst nirgends. Der Standort wird bald zerstört werden.


Drymocallis rupestris, das Stein-Fingerkraut. Extrem selten, hier auf einem Foto vom Nordbahnhofgelände im Jahr 2006.


Der Gewöhnliche Igelsame, stark gefährdet. Foto vom Nordbahnhofgelände aus dem Jahr 2006. Nun haben Bagger seinen Standort zerstört.


Laichschnüre der streng geschützten und in der Schweiz bereits ausgestorbenen Wechselkröte. Foto eines Tümpels am Nordbahnhofgelände 2006. Heute ist der Standort zerstört.


Bagger zerstören die ehemaligen Bahndämme mit den seltenen Pflanzen

Die OASIS-Gefäßpflanzen-Datenbank des Umweltbundesamts, die demnächst ins Internet gestellt werden wird und über Gefährdung und Schutzstatus Auskunft gibt, sagt folgendes: Der Graue Schöterich ist in Wien gefährdet, der Gewöhnliche Igelsame ist in Wien stark gefährdet, und das Stein-Fingerkraut ist in Wien akut vom Aussterben bedroht. Alle drei Arten wachsen auf dem Areal der Bahndämme, genau dort, wo derzeit die Bagger der Stadt Wien das Gelände planieren und die Standorte zerstören.

Das Erstaunliche ist aber, dass diese drei Arten tatsächlich vom Wiener Naturschutzgesetz nicht geschützt werden, wie ebenfalls die OASIS-Datenbank sagt! Vom Aussterben bedroht, aber trotzdem nicht geschützt!! Ein gravierendes Versäumnis! Und insofern stimmt es auch, wenn die Magistratsabteilung 22 sagt, es kommen dort keine geschützten Arten vor. Das Stein-Fingerkraut ist in Wien vom Aussterben bedroht, aber geschützt ist es nicht.

Wir wollen der Vollständigkeit halber die Stellungnahme von Senatsrat Domany hier weiter zitieren:

Leider können wegen des enormen Nutzungsdrucks und dem Wunsch nach Barrierefreiheit die Dämme nicht erhalten werden. Unser Ziel ist eine nachhaltige Entwicklung für diesen neuen Stadtteil. Wir werden uns daher dafür einsetzen, dass auch in den anderen Grünbereichen ( es soll noch ein zweiter kleinerer Park entstehen, in den Innenhöfen und im Straßenraum) Lebensräume für Tiere und Pflanzen entstehen. Aufgrund der massiven Bautätigkeit in den nächsten Jahren, die auch enorme Geländeveränderungen verursachen werden, ist es allerdings nicht möglich, Teilbereiche unberührt zu belassen. An einer anderen Stelle des Nordbahnhofs soll ein SWW (Schutzgebiet Wald- und Wiesengürtel) erhalten bleiben, um den Pflanzen einen gesicherten naturnahen Standort zu bieten.“

Dieses Schutzgebiet soll im Bereich der Gleisschleife zum Handelskai entstehen, ist aber eher kleinflächig.


Auf der planierten Kiesfläche vollzieht die Wiener Umweltstadträtin den Spatenstich für den Bednar-Park. Die Zerstörung der wertvollen Biotope hat sie allerdings nicht verhindert.


Noch ein Nachtrag: Das große Areal, das derzeit planiert wird, soll einerseits den Bednar-Park enthalten, andererseits ein Schulgebäude. Die wertvollsten Standorte befinden sich dort, wo die Schule stehen soll, denn das Stein-Fingerkraut wächst einige Meter neben dem Rand des zukünftigen Parks, wo bereits die Schule stehen soll. Eine etwas flexiblere Planung hätte jedoch innerhalb des riesigen Nordbahnhofgeländes den Schulkomplex ein Stück weiter westlich platzieren und die wertvollen Biotope in den Park eingliedern können.