19. 04. 2008

Michaela Steinacker, Alexander Rechberger, Christian Neuhold, Martin Schuster: Wer ist Schuld an der geplanten Demolierung des Bahnhofs Perchtoldsdorf?

Eine Mischung aus ÖBB-Mitarbeitern und Lokalpolitikern plant, ein historisch wertvolles Gebäude im Sommer demolieren zu lassen

Schon im Jahr 1987 wollte die ÖBB das architektonisch bemerkenswerte Bahnhofsgebäude abreissen lassen, in dem seit vielen Jahren ein pensionierter Bahnbeamter wohnt. Nun ist es endgültig so weit: Auf der hemmungslosen Suche nach Geldquellen will die ÖBB Immobilien AG, eine Tochterfirma der ÖBB Holding, anstelle des Architekturjuwels einen BILLA-Supermarkt ansiedeln.

Abbildung 1: Michaela Steinacker (Fotos: ÖBB)


Michaela Steinacker als Letztverantwortliche für die Zerstörung des Baudenkmales schweigt beharrlich und sieht sich geistig schon bei Raiffeisen

Letztverantwortlich für diese skandalöse Entscheidung ist Frau Mag. Michaela Steinacker, derzeit noch Geschäftsführerin der ÖBB-Immobilienmanagement GmbH. Frau Steinacker war 1988 Ministersekretärin im Familienministerium, später im Immobilienbereich tätig und leitet seit 2005 die ÖBB-Immobilienmanagement GmbH. Laut www.report.at verdient sie dort mit etwa 340.000 Euro etwa doppelt so viel wie ihre Vorgänger und bekam einen Audi A6 als Dienstwagen.

Von der ÖBB ist sie allerdings dieser Tage schon wieder abberufen worden, um ab dem kommenden Sommer in die Geschäftsleitung der Raiffeisen-Holding NÖ-Wien entsorgt zu werden. Auf Vorschlag von Raiffeisenboss Christian Konrad wird sie an die Seite von Erwin Hameseder und Kurt Miesenböck gestellt, die beide durch ihr maßloses Eintreten für einen überdimensionierten Autobahnbau in Ostösterreich unangenehm aufgefallen sind. Eine zweifache schriftliche Anfrage, die sowohl an Frau Steinacker persönlich, als auch an ihren Pressesprecher Robert Wolf ging, ließen beide unbeantwortet. Vielleicht sieht sie sich gedanklich auch schon abberufen und weilt mit ihren Gedanken bereits bei ihrem neuen Arbeitgeber. Eine Stellungnahme zu der gravierenden Fehlentscheidung in ihrem Ressort hält sie offenbar für nicht notwendig.


Abbildung 2: Alexander Rechberger

Alexander Rechberger weiss nicht einmal, worum es geht

Eine telefonische Anfrage bei Alexander Rechberger, dem Regionalleiter für NÖ und Burgenland bei der ÖBB Immobilien AG, endete in einer Überraschung. Der höchste Verantwortliche für diese beiden Bundesländer wusste überhaupt nicht, worum es geht, und was der Bahnhof Perchtoldsdorf ist.

Abbildung 3: Christian Neuhold

Christian Neuhold ist eine Schlüsselfigur bei der Zerstörung des Bahnhofes

Rechberger verwies an den sogenannten „Teamleiter Verwertung“, Dipl. Ing. Christian Neuhold. Dieser erging sich telefonisch in Beschwichtigungen, es sei „eh noch nichts entschieden“ und jammerte über den Geldmangel der ÖBB, und dass man ja den Bahnhof zersägen und in einem Eisenbahnmuseum wieder aufbauen könne. Christian Neuhold ist eine der zentralen Figuren im Drama um das Baujuwel. Allerdings ist sein Auftrag schlicht, Geld zu machen im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten, wo es eben geht.

Die Erstellung der Rahmenbedingungen liegt hingegen in der Politik, etwa in einer geeigneten Flächenwidmung durch die Gemeinde Perchtoldsdorf



Abbildung 4: BGM Martin Schuster mit LH Erwin Pröll (Foto: ÖVP Perchtoldsdorf)

 

Bürgermeister Martin Schuster widerspricht sich selbst in verschwommenen Dementis

Martin Schuster, der Bürgermeister von Perchtoldsdorf, erklärte per e-mail, die Liegenschaft sei im Eisenbahnbuch registriert, also außerhalb des regulären Grundbuches. Daher seien andere rechtliche Maßstäbe zur Anwendung zu bringen. Da das Gebäude nicht unter Denkmalschutz stehe, könne das es mit rechtlichen Mitteln nicht geschützt werden, sondern nur durch konstruktive Gespräche mit den ÖBB, so Schuster.

Zur Erinnerung: Das Gebäude steht aufgrund eines BDA-Bescheides aus dem Jahr 1987 NICHT unter Denkmalschutz, da man damals den Wert von Eisenbahndenkmalen nicht wirklich begriffen hatte. Laut Gesetzeslage gibt es angeblich keine Möglichkeit, einen einmal getroffenen BDA-Bescheid zu ändern, wurde zumindest von mehreren Seiten behauptet. Der damalige zuständige BDA-Beamte ist längst in Pension, heute denkt man dort angeblich anders.

Hat die Gemeinde Perchtoldsdorf das Grundstück umgewidmet?

Gab es nun seit 1987 irgendwann eine Umwidmung des Grundstücks? Es ist ja kaum vorstellbar, dass die Gemeinde keinerlei oder fast keine Einflussmöglichkeiten auf den Abriss des Denkmals habe, selbst wenn es sich um ein ÖBB-eigenes Grundstück handelt. Genau dies aber behauptet Schuster. Er teilt weiters mit: „Wir haben uns im letzten Widmungsverfahren intensiv mit dem Areal in der Feldgasse auseinander gesetzt und Gespräche mit der ÖBB-Immobilienmanagement GmbH geführt.“ Die Frage, ob es nun eine Umwidmung gab oder nicht, lässt Schuster eigenartigerweise unbeantwortet.

Schuster schreibt dann vom angeblich verwahrlost wirkenden Areal – eine falsche Behauptung, wie ein kürzlich erfolgter Lokalaugenschein zeigte. Das Schreiben von Schuster endet mit der Aussage, dass eine Abtragung des Gebäudes mit Wiederaufbau im Eisenbahnmuseum Strasshof eine gute Lösung sei. Boshafte Zyniker meinen, vielleicht würde Schuster ja auch einen Abriss der alten Perchtoldsdorfer Kirche befürworten. Diese könnte danach in einem Historyland neu errichtet werden, während nahe dem Hauptplatz stattdessen ein profitables Hotel entstehen könnte.

Laut Schuster ist die Gemeinde Perchtoldsdorf GEGEN den Abbruch des Bahnhofs

Überdies gibt es aus mehreren Quellen die übereinstimmende Aussage, dass „der Bürgermeister Schuster den Bahnhof eigentlich eh gerne weghaben will“. Ob dies stimme, wurde bei ihm nachgefragt. Schuster antwortete, dass es keine „aktive Befürwortung“ des Abbruches des Bahnhofs durch die Gemeinde Perchtoldsdorf gegeben habe. Was auch immer der Unterschied zwischen einer aktiven und einer passiven Befürwortung sein mag...

Die widersprüchlichen Aussagen von Schuster lassen vermuten, dass die Gemeinde durchaus zufrieden ist, wenn der Bahnhof verschwindet und ein profitabler Supermarkt gebaut wird, dass er selbst aber auch recht froh ist, wenn die ÖBB den Schwarzen Peter bekommt und in der Öffentlichkeit als Übeltäter da steht, während die Gemeinde achselzuckend darauf verweist, dass man ja angeblich nichts dagegen tun könne.

 

Résumé

Fassen wir zusammen:

Michaela Steinacker schweigt und bereitet sich auf Raiffeisen vor.

Alexander Rechberger weiss überhaupt nicht, worum es geht.

Christian Neuhold beruhigt, es sei eh noch nix entschieden.

Das Bundesdenkmalamt kann nichts mehr tun.

Und Bürgermeister Martin Schuster meint, die Gemeinde könne auch nichts tun.

Und in den Händen dieser (Nicht-)Verantwortlichen ruht das Schicksal von einem Baujuwel...

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P.S. Diesen Leuten können Sie sagen, was Sie denken:

ÖBB-Immobilienmanagement:

Michaela Steinacker (Geschäftsführer) 01-93000-44044 michaela.steinacker@oebb.at

Robert Wolf (Pressesprecher) 01-93000-35261 robert.wolf@oebb.at

Alexander Rechberger (Leiter NÖ, Bgld) 02742 93000-3775 alexander.rechberger@oebb.at

Christian Neuhold (Teamleiter Verwertung) 0664-6174717 christian.neuhold@oebb.at

 

Bundesdenkmalamt:

Richard Wittasek-Dieckmann (Industriedenkm.) 01-53415-291 richard.wittasek-dieckmann@bda.at

 

Bürgermeister Perchtoldsdorf:

Martin Schuster 01-866 83-0 buergermeister@perchtoldsdorf.at

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Und hier sei noch eine Gruppe von großartigen, engagierten Leute erwähnt, die sich für den Erhalt des Bahnhofs und die Reaktivierung der Strecke einsetzen:

Verein Pro-Kaltenleutgebnerbahn www.pro-kaltenleutgebnerbahn.at

 

P.S. Erst nach Fertigstellung dieses Textes und erneutem Nachfragen kam doch eine Antwort von Frau Steinacker. Sie teilte unter anderem mit, das Gebäude sei nicht schutzwürdig. „Das aktuelle Projekt wurde in enger Abstimmung mit der Gemeinde Perchtoldsdorf entwickelt und hat zum Ziel aktuell vorhandene infrastrukturelle Defizite auszugleichen. Ein Verbleib des gegenständlichen Gebäudes an diesem Ort steht der geplanten Nutzung entgegen.“